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Autor Thema: Faszinierend - Erschreckend - Abstoßend  (Gelesen 1841 mal)
0 Mitgliedern und 1 Gast betrachten dieses Thema.
Satyr
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« am: 30.11.2009 um 00:13:46 »

Hallo,

habe gerade im Spiegel über die Ausschreitungen bei Fußballspielen dieses Wochenende gelesen und frage mich langsam, ob sowas in einem 'zivilisierten Land' eigentlich normal ist. Man weiß ja von mir, dass ich zu der Minderheit gehöre, die Fußball gähnend langweilig findet (da würde ich mir ja noch eher anschauen, wie Männer mir Schrubbern auf einem Eisfeld herumschrubben - wie - den Sport gibt's tatsächlich?!?  Evil), aber wenn - um mal ein neutrales Beispiel zu nennen - in Biathlon-Stadien derartige Zustände herrschen würden, dann könnte ich diesen Sport, so sehr er mich auch begeistert, nicht mehr genießen.

Was ist am Fußball so anders? Warum ist es da völlig normal, dass Hundertschaften von Bereitschaftspolizei 'die Ordnung wahren' müssen? Warum gehen Normalsterbliche dahin, wo man offensichtlich Gefahr läuft, ganz fürchterlich eins übergebraten zu bekommen? Und warum funktioniert die Fan-Solidarität, die eigentlich sowas im Keim ersticken sollte nicht? Irgendwie verstehe ich das nicht so richtig. Vielleicht könnt Ihr mir helfen.  Huh? Huh? Huh?

cu,
Satyr
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This one is tricky. You have to use imaginary numbers, like eleventeen ...
Markus
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Mir entgeht nix!



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« Antwort #1 am: 30.11.2009 um 00:23:32 »

Und warum funktioniert die Fan-Solidarität, die eigentlich sowas im Keim ersticken sollte nicht? 

Weil die Leute, die solche Gewalttaten verüben, keine Fans sind, sondern Krawallbrüder, die den Fußball als Bühne für ihre Aggressionen missbrauchen.
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Manche Menschen müssen Anhänger einer »Siegermannschaft« sein. Sie sind psychisch einfach nicht gefestigt genug, um Verlierer zu unterstützen...
Tim Parks: Eine Saison mit Verona
Thophi
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« Antwort #2 am: 30.11.2009 um 13:23:01 »

So siehts aus. Diese Leute sind ungefähr genauso am Fußball interessiert wie Satyr und wenn es keinen Fußball gäbe, würden sie sich eine andere Bühne suchen.
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« Antwort #3 am: 30.11.2009 um 19:04:55 »

Warum gehen Normalsterbliche dahin, wo man offensichtlich Gefahr läuft, ganz fürchterlich eins übergebraten zu bekommen?

Das stimmt so ja auch nicht. Es gibt zwar einige (wenige) Beispiele, wo es auch "Normalsterbliche" getroffen hat. Aber mit einer gewissen Vorsicht kann dir eigentlich fast nix passieren. Ist natürlich schade, dass man überhaupt "vorsichtig" sein muss...  Daumen runter

Find es derzeit auch noch nicht so dramatisch (auch, wenn sich das wie ein Hohn bei den Opfern anhören mag). Beim Fußball wurde schon immer "geprügelt", sogar mal deutlich mehr als in den letzten Jahren. An diesem Wochenende war es schon relativ heftig und man kann nur hoffen, dass das nicht wieder zur Regel wird. Wie man der Berichterstattung entnehmen konnte zeigt die Tendenz aber leider wieder nach oben.

Erklärungen sind da natürlich schwer zu finden. (1) Warum überhaupt wieder mehr Gewalt ? (2) Warum beim Fußball ?
1. Komplett subjektive Wahrnehmung: Ich habe schon das Gefühl, dass es leichte Tendenzen zu mehr Unzufriedenheit und Frust in der Bevölkerung (insbesondere der Jugend) gibt.
2. Die Strafen sind oft noch ziemlich lächerlich. Zwar treffen da oft welche aufeinander, die beide durchaus nichts gegen eine Schlägerei haben, aber das sollte sich nicht mildernd auf das Strafmaß auswirken.
Ansonsten war der Fußball aber schon immer das Spiel des "Pöbels". Da geht es halt mal etwas derber zu und ist für viele eine Art Ventil (manchen Reicht das Singen, Gröhlen etc aber nicht)
Bei kaum einem anderen Sport wird so oft der Kampfgeist, Einsatz und auch die Aggression beschworen. Publikumslieblinge sind nicht selten die Spieler, die alles geben, mit einer gewissen Härte spielen und selber auch mal hinlangen.
Zudem wird Gewalt in gewissen Kreisen halt verherrlicht. Bei vielen Ultras hat man ja nicht das Gefühl, dass der Sport im Vordergrund steht, sondern viel mehr: Wer singt lauter, wer singt bessere Lieder, wer hat die bessere Choreo (soweit nichts gegen einzuwenden), aber eben auch wer ist "härter". Die Gruppen ziehen dann eben nicht zurück. Innerhalb der Gruppe gibt es da natürlich auch Vergleiche: Wer macht mehr Auswärtsfahrten mit etc. und eben auch da: Wer ist "Härter". Innerhalb der Gruppe kannst du da auch nicht zurückziehen, wenn du nicht gleich das Weichei sein willst.
Natürlich relativ primitiv, aber die Anziehungskraft wirkt ja nicht ohne Grund vor allem auf junge Menschen. Hollywood macht es im Übrigen ja auch vor mit dem Film "Hooligans" (mit Eliah Wood - im Übrigen mMn ein ziemlich guter Film, aber da werden Schläger auch zu Heroen)


Werde mir demnächst mal die, mir empfohlene, Doku "Kategorie C" angucken, die sich mit genau dem Thema beschäftigt. Vielleicht bin ich dann ja noch ein wenig schlauer
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Wölffel
Gast

« Antwort #4 am: 01.12.2009 um 05:45:45 »

Im großen und ganzen hast du Recht Daumen hoch

Im Film wird aber von Hooligans gesprochen und nicht von Ultras, fand den Umschenker aufeinmal bisschen komisch von dir.
Weil ist ja ein kleiner Unterschied zwischen den beiden Sachen.
Und die Hooligans machen mir eigentlich keine Angst, da sie ja drauf achten das kein unschuldiger Schaden nimmt.
Nur die Ultraszene macht mir Angst, dass die zu groß wird, weil denen ist es egal wer Schaden nimmt und was passiert....

Und zum Film, naja wenn man sich so bisschen in den Szenen auskennt muss man sagen, nix besonderes dabei  Wink
Und was ich noch unpassend war, der kurze Einspieler von den Toten Hosen, da hätte man auch andere Musik einspielen,
die besser dazu gepasst hätte.
« Letzte Änderung: 01.12.2009 um 08:33:43 von Wölffel » Gespeichert
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« Antwort #5 am: 01.12.2009 um 17:41:35 »

Oh ja. Zwischen Hooligans und Ultras muss man natürlich klar trennen und Ultras sind generell erstmal nicht so schlimm wie Hooligans. Allerdings sind sie auch Auffangbecken von den Leuten, die früher vielleicht Hooligan geworden wären, weil die "Hooligan Szene" in Deutschland so ziemlich tot ist.
So tragen diese Chaoten jetzt die Gewalt in eine noch größere Gruppe. Sehe das alles, aber wie gesagt derzeit noch nicht so dramatisch. Aber Italien sollte warnendes Beispiel sein, was aus der Ultraszene entstehen kann.
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PB-Heidi
Gast

« Antwort #6 am: 01.12.2009 um 17:56:54 »

Hallo,
 Warum gehen Normalsterbliche dahin, wo man offensichtlich Gefahr läuft, ganz fürchterlich eins übergebraten zu bekommen? Und warum funktioniert die Fan-Solidarität, die eigentlich sowas im Keim ersticken sollte nicht?
cu,
Satyr

Hm, ich geh jetzt seit fast 30 Jahren zum Fußball, habe seit über 20 Jahren Dauerkarte daheim und bin bis zu 14 x im Jahr auch auswärts dabei - und mir ist NOCH NIE, weder zuhause in Nürnberg, noch auswärts, auch nur ansatzweise irgendwas passiert... Das heißt nicht, daß mir nie was passieren wird oder einem "Normalofan" nix passieren kann, aber es zeigt doch, daß man sich nicht in Lebensgefahr begibt, wenn man zum Fußball geht. Da wird viel mehr hochgekocht, als es tatsächlich hergibt. Da bauscht die Presse auch gerne auf, weils halt was hermacht, böser Fußballfan und so.
Gut, es mag im Osten teilweise wesentlich schlimmer sein, oder wenn Mannschaften, deren Fans sich seit Ewigkeiten hassen (Schalke/Dortmund, Rostock/Pauli...), aufeinandertreffen, aber im Normalfall passiert in der Profiliga den wenigsten Menschen was.

Es kommt vielleicht auch darauf an, wie man sich gibt (ob man z. B. auswärts die "dicke Hose" macht und rumpöbelt), wie man sich anzieht (hört sich vielleicht blöd an, aber ein komplett in schwarz gekleideter Mensch, der finster dreinblickt oder womöglich ne Sonnenbrille aufhat, macht mir immer ein bisschen Sorgen), in welchen Gruppen man zum Stadion läuft... aber wenn man mal ne Zeitlang beim Fußball dabei ist, kriegt man das raus, zu welcher Sorte "Fan" man sich zugehörig fühlt, und dann meidet man halt Gruppen, die ne andere Vorstellung von Fußball und dem Drumherum haben. Deswegen  funktioniert vielleicht auch die "Fan-Solidarität" nicht, weil die Gruppen oft unter sich bleiben, und das, was sie eventuell provozieren, auch ganz gerne haben. Da muss man sich als "Normalo" dann nicht einmischen.

Kurz: Wenn man sich anständig aufführt und eventuelle Gefahrensituationen meidet, kann man ganz schön lange zum Fußball gehen, und es passiert einem wirklich nix. Wenn man natürlich meint, ACAB-Shirts anziehen zu müssen und jedesmal, wenn man einen Polizisten sieht "Alle Bullen sind Schweine" singen zu müssen - daß es dann mal zu Ärger mit der Staatsmacht kommt, wundert ja wohl keinen. Freilich, die meisten Polizisten, die in oder vor Stadien Dienst schieben müssen, machen den Job NICHT gerne und man sieht es ihnen auch an - aber wenn man hingeht, ne Frage hat und die höflich stellt, kriegt man auch ne ebenso höfliche Antwort.

Wie gesagt, KEINER ist davor gefeit, mal in irgendeinen Ärger reinzugeraten, aber im allgemeinen, und wenn man sich normal aufführt, passiert in 99 von 100 Fällen nichts.
« Letzte Änderung: 01.12.2009 um 17:58:56 von PB-Heidi » Gespeichert
Wölffel
Gast

« Antwort #7 am: 01.12.2009 um 22:22:16 »

@PB-Heidi
Muss ich alles bestätigen, vollkommen Recht hast du....
Joar und die Cops sind die "ärmsten Schweine" wenn man das so sagen möchte, wenn was passiert oder auch nicht passiert sind sie immer die Schuldigen.

@Flic
Das Hooligans schlimmer sind, sehe ich etwas anders. Sie treffen sich wenigstens vor oder nach dem Spiel irgendwo, wo kein anderer, der das nicht möchtet zu Schaden
kommt. Natürlich geht es dabei etwas rauer zu, aber stets ohne Waffen und Steine etc...
Und Tot ist sie ganz und gar nicht!!
Bei Ultras ist das anders.  Bei den meisten gehts nur um Krawall machen gegen alles. Es nimmt solangsam Ausmaße wie in Italien an und dabei ist es denen leider Scheiß egal wen es erwischt.
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Flic
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« Antwort #8 am: 02.12.2009 um 10:51:18 »

Holligans sind für mich mit Gewalt gleichzusetzen und dass da nie jemand zu Schaden kommt, der das nicht möchte ist auch eher ein Gerücht. Bei dem WM 98 waren das eindeutig deutsche Hooligans, die die Stadt "verwüstet" haben und auch den französischen Polizisten Nivel geschadet haben.
Das ist da sicherlich das bekannteste Beispiel, aber sicher nicht das einzige.
Hooligans gibt es sicherlich noch immer, aber eigentlich nicht mehr in den großen Stadien etc. Auch in England sind die Zeiten, dass es regelmäßig so zugeht, wie zB in dem Hollywood Film vorbei.

Während sich der Hooligan fast schon über Gewalt definiert, so ist der Ursprung der Ultras ein ganz anderer. Da gehts (erstmal) gar nicht um Gewalt, sondern um eine bestimmte Art des Supports. Allerdings ziehe die Ultras mit ihrer Anti Haltung (gegen Polizei, Repressionen, DFB, Kommerz, modernen Fußball etc) natürlich auch viele Chaoten an, die teilweise auch gewaltbereit sind. Das Problem ist allerdings, dass diese dann von der Ultragruppierung geschützt werden und man somit den Eindruck bekommt, dass diese "Fans" erwünscht sind.
Gibt ja mittlerweile schon die Bezeichnung "Hooltras". Vielleicht nicht schlecht, da es wie gesagt auch sehr viele Ultras gibt, die Gewalt ablehnen...
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Wölffel
Gast

« Antwort #9 am: 04.12.2009 um 08:14:26 »

Zitat
Überschattet von schweren Fan-Ausschreitungen hat Werder Bremens Gruppengegner Athletic Bilbao in der Europa League vorzeitig die K.o.-Runde der 32 besten Teams erreicht.


http://www.szon.de/sport/fussball_artikel,-Ausschreitungen-in-Wien-Bilbao-und-PSV-weiter-_arid,4021705.html

naja das geht zuweit!!!  Angry
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